Leistungsverzeichnis Elektro erstellen: Positionen, Preise, Praxis
Ein professionelles Leistungsverzeichnis im Gewerk Elektro entscheidet darüber, ob Ihr Projekt wirtschaftlich aufgeht oder in teuren Nachträgen endet. Es ist die vertragliche Grundlage für Ausschreibung, Kalkulation und Abrechnung — und damit das zentrale Dokument für jeden Elektrobetrieb. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie ein normgerechtes LV strukturieren, welche Positionen typischerweise enthalten sind und wie Sie Einheitspreise sauber kalkulieren.
Was ist ein Elektro-Leistungsverzeichnis?
Ein Leistungsverzeichnis (LV) beschreibt sämtliche Einzelleistungen eines Bauvorhabens in strukturierter, bepreisbarer Form. Für die Elektroinstallation bildet die VOB/C DIN 18382 die normative Grundlage. Diese Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATV) regeln konkret, wie elektro-, sicherheits- und informationstechnische Anlagen auszuschreiben, auszuführen und abzurechnen sind.
Dabei ist die Abgrenzung wichtig: Die Leistungsbeschreibung umfasst das gesamte Paket aus technischen Vorbemerkungen, Plänen und dem eigentlichen Positionsverzeichnis. Das Leistungsverzeichnis Elektro hingegen ist der quantifizierte Teil davon — jede Position mit Menge, Einheit und Einheitspreis. Erst wenn der Bieter seine Preise einträgt, entsteht daraus ein Angebot.
Funktionale vs. konstruktive Leistungsbeschreibung
Bei öffentlichen Ausschreibungen schreibt das Vergaberecht in der Regel die konstruktive Leistungsbeschreibung vor. Dabei gibt der Planer alle Materialien, Fabrikate und Mengen exakt vor, um eine objektive Vergleichbarkeit der Angebote sicherzustellen. Folglich liegt das Planungsrisiko beim Auftraggeber.
Die funktionale Leistungsbeschreibung hingegen definiert nur das Ziel — etwa eine funktionierende Gebäudeautomation — und überlässt die technische Lösung dem Bieter. Dieses Verfahren eignet sich beispielsweise für innovative Technologieprojekte wie Smart-Home-Systeme. Allerdings birgt es bei standardisierten Elektroinstallationen das Risiko, dass Bieter auf das absolute Minimalniveau kalkulieren.
Aus diesem Grund kommen in der Praxis häufig Mischformen zum Einsatz: Basiskomponenten wie Leitungsnetze und Verteilungen gibt der Planer konstruktiv vor, während er komplexere Teilsysteme wie die Gebäudeautomation funktional ausschreibt.
Aufbau eines Elektro-Leistungsverzeichnisses
Ein normgerechtes Leistungsverzeichnis Elektro folgt einer festen Struktur, die sich an der DIN 18382 und der chronologischen Bauausführung orientiert. Darüber hinaus verlangt die Norm laut ZVEI-Merkblatt zur VOB neben dem Positionstext auch Anlagen- und Funktionsbeschreibungen, Übersichtsschaltpläne, Ausführungspläne, Brandschutznachweise und die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers.
Die typische Gliederung für ein Elektro-LV sieht so aus:
| Titel | Leistungsbereich | Typischer Inhalt |
|---|---|---|
| 01 | Demontage und Baustelleneinrichtung | Rückbau Altinstallation, Baustromversorgung, Entsorgung |
| 02 | Zähleranlage und Hauptstromversorgung | Zählerschrank, Hauptverteilung, Hauptschalter |
| 03 | Verlegesysteme und Trassierung | Kabelpritschen, Brüstungskanäle, Leerrohre |
| 04 | Kabel und Leitungen | NYM-Mantelleitungen, Datenkabel, Spezialleitungen |
| 05 | Installationssysteme | Unterputzdosen, Hohlwanddosen, Abzweigkästen |
| 06 | Installationsgeräte | Steckdosen, Schalter, Taster, Dimmer |
| 07 | Beleuchtungsanlagen | Innen-/Außenleuchten, Notbeleuchtung, DALI-Steuerung |
| 08 | Sicherheits- und Kommunikationsanlagen | Sprechanlagen, Gefahrenmeldeanlagen, Datennetzwerk |
| 09 | Potenzialausgleich und Erdung | Fundamenterder, Schutzpotenzialausgleich, Blitzschutz |
| 10 | Brandschutz | Kernbohrungen, Brandschotts, Funktionserhalt-Kabel |
| 11 | Prüfung und Inbetriebnahme | Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600, Revisionspläne |
Dank dieser Struktur erfassen Sie den Bauablauf systematisch und nehmen die Ressourcenplanung phasengerecht vor. Detaillierte Grundlagen zur Kalkulation im Elektrohandwerk finden Sie außerdem in unserem Pillar-Artikel.
Typische Positionen im Leistungsverzeichnis Elektro
Gemäß DIN 18382 rechnen Sie Leitungen und Rohre nach Längenmaß (Meter) ab, Stückgüter wie Schalter und Leuchten nach Stückzahl. Nur in Ausnahmefällen ist eine pauschale Abrechnung zulässig. Für die Mengenermittlung bildet darüber hinaus die Richtlinie RAL-RG 678 auf Basis der DIN 18015-2 den anerkannten Maßstab.
Beispiel-Positionen für ein Einfamilienhaus
Für ein Einfamilienhaus mit ca. 140 m² Wohnfläche und Ausstattungsstufe ★★ (Standard) nach RAL-RG 678 ergeben sich folgende typische Positionen:
| Position | Beschreibung | Menge | Einheit |
|---|---|---|---|
| 02.01 | Zählerschrank komplett, 2 Zählerplätze nach TAB, inkl. Überspannungsschutz Typ 1/2 | 1 | Stück |
| 02.02 | Unterverteilung UP, 4-reihig (Aufteilung EG/OG) | 2 | Stück |
| 02.03 | FI/RCD allstromsensitiv Typ A, 40 A / 30 mA, 4-polig | 6 | Stück |
| 02.04 | Leitungsschutzschalter B 16 A, 1-polig | 45 | Stück |
| 04.01 | NYM-J 3×1,5 mm², UP-Verlegung (Beleuchtung/Steckdosen) | 1.150 | Meter |
| 04.02 | NYM-J 5×2,5 mm², UP-Verlegung (E-Herd, Durchlauferhitzer) | 65 | Meter |
| 04.03 | Datenleitung Cat. 7, halogenfrei, in M20-Leerrohr | 280 | Meter |
| 06.01 | Schutzkontaktsteckdose 16 A, UP, inkl. Rahmen | je Raum nach RAL | Stück |
| 06.02 | Wechselschalter 10 AX, UP, inkl. Wippe und Rahmen | je Raum | Stück |
| 09.01 | Schutzpotenzialausgleichsschiene, plombierbar | 1 | Stück |
| 11.01 | Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 inkl. Prüfbericht | 1 | Pauschale |
Die Auswirkungen der RAL-Stufe auf die Mengen sind erheblich: Während in der Küche bei ★-Ausstattung nur 5 allgemeine Steckdosen gefordert sind, verdoppelt sich dieser Wert bei ★★ auf 10 und steigt bei ★★★ sogar auf 15 Anschlüsse. Deshalb müssen Sie diese Unterschiede bereits bei der Mengenermittlung für das Leistungsverzeichnis Elektro berücksichtigen.
Besondere Positionen bei Mehrfamilienhäusern
Bei Mehrfamilienhäusern steigt die Komplexität des Leistungsverzeichnisses erheblich. Insbesondere kommen folgende Positionen hinzu:
- Zählerinfrastruktur: Statt eines einfachen Zählerschranks benötigen MFH großdimensionierte Niederspannungshauptverteilungen (NSHVT) mit modularen Zähleranlagen nach TAB, Allgemeinstromzähler für Aufzug und Treppenhausbeleuchtung sowie Smart-Meter-Gateways je Wohneinheit.
- Brandschutz: Brandschotts mit Feuerwiderstandsklasse S90 für alle Leitungsdurchführungen durch Brandabschnitte, Kabel mit Funktionserhalt (E30 bis E90) für sicherheitsrelevante Anlagen wie Rauchabzug und Sicherheitsbeleuchtung.
- Provisorien bei Kernsanierung: Temporäre Stromversorgungen, etappenweiser Rückbau und Aufrechterhaltung bestehender Infrastruktur (Türsprechanlage, Antennenversorgung) bei bewohnter Sanierung.
- Blitzschutz und Erdung: Ringförmige Fundamenterdung, äußerer Blitzschutz und innerer Überspannungsschutz erfordern eine detailliertere Ausplanung als beim Einfamilienhaus.
Reale Ausschreibungen für MFH-Elektroarbeiten zeigen, dass diese Zusatzpositionen den Umfang des LV leicht verdoppeln können.
Wie ermitteln Sie Preise für das Leistungsverzeichnis Elektro?
Die Einheitspreiskalkulation setzt sich aus vier Kostenblöcken zusammen: Materialkosten, Lohnkosten, Gemeinkosten und Wagnis/Gewinn. Zunächst ermitteln Sie die Lohnkosten anhand der Lohnminuten aus dem KFE-Datenkatalog (Kalkulationshilfe für das Elektrohandwerk). Diese empirisch ermittelten Vorgabezeiten multiplizieren Sie dann mit Ihrem betriebsindividuellen Stundenverrechnungssatz. Wie Sie diesen korrekt ermitteln, erfahren Sie im Artikel Stundenverrechnungssatz im Handwerk berechnen.
Zusätzlich kommen auf die Materialeinzelkosten Materialgemeinkosten hinzu — für Lagerung, Transport und Verwaltung. Der Materialgemeinkostenzuschlag liegt typischerweise bei 15–25 %. Das folgende Rechenbeispiel zeigt die Kalkulation einer Unterputz-Steckdose:
| Kalkulationsschritt | Wert |
|---|---|
| Materialeinkauf (netto) | 4,00 € |
| + MGKZ 25 % | 5,00 € |
| Lohnminuten laut KFE | 6 min (0,10 h) |
| × Stundenverrechnungssatz 75 €/h | 7,50 € |
| = Herstellkosten | 12,50 € |
| + Wagnis & Gewinn 10 % | 1,25 € |
| Einheitspreis | 13,75 € |
Für die Zeitansätze einzelner Positionen liefert der Artikel Montagezeiten Elektro richtig kalkulieren detaillierte Richtwerte aus der Praxis.
Welche Fehler passieren bei der LV-Erstellung am häufigsten?
Die DIN 18382 unterscheidet strikt zwischen Nebenleistungen und Besonderen Leistungen — und genau hier entstehen die häufigsten Konflikte.
Einerseits gelten Nebenleistungen als mit dem Einheitspreis abgegolten, auch wenn das LV sie nicht explizit aufführt. Dazu zählen zum Beispiel Kleinteile (Schrauben, Dübel, Klemmen), das Einrichten des Arbeitsplatzes und die Entsorgung von Verpackungsmaterial.
Andererseits müssen Besondere Leistungen ausdrücklich im LV stehen und der Auftragnehmer muss sie separat bepreisen. Dazu gehören unter anderem Kernbohrungen durch Stahlbeton, das Schlitzen tragender Wände, Sonderkonstruktionen für Trassen, spezielle Gerüststellungen und Brandschottungen. Fehlen diese Positionen, folgen daraus unweigerlich Nachtragsforderungen nach VOB/B.
Weitere typische Fehler sind:
- Falsche Abrechnungseinheiten: Die Aufmaßregeln der VOB/C für Elektro gelten eigenständig. Dementsprechend lassen sich Flächenregeln aus anderen Gewerken (Übermessungsregel bis 0,1 m²) nicht auf Leitungslängen übertragen.
- Fehlende Schnittstellenkoordination: Wenn unklar bleibt, wer Wandschlitze verschließt oder die Verkabelung von Heizungspumpen übernimmt, entstehen Ausführungsstaus und Behinderungsanzeigen.
- Zu späte Technologieentscheidungen: Sobald die Topologie der Gebäudeautomation erst während der Ausführung feststeht, verursachen nachträgliche Änderungen im LV hohe Kosten.
- Vergessene Prüfung: Die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 als fehlende Position verursacht nicht nur einen Kalkulationsfehler, sondern auch ein erhebliches Haftungsrisiko.
Warum die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 eine eigene Position braucht
Die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 umfasst weit mehr als einen simplen Funktionstest. Vielmehr durchläuft der Prüfer drei Phasen: Sichtprüfung, Erprobung und Messung. Zu den Pflichtmessungen zählen unter anderem die Durchgängigkeit der Schutzleiter, der Isolationswiderstand (mindestens 1 MΩ bei 500 V Messspannung) und die Auslösezeiten der FI-Schutzschalter. Anschließend dokumentiert der Prüfer alle Ergebnisse in einem rechtssicheren Prüfbericht.
Diesen Aufwand können Sie betriebswirtschaftlich nicht in den Margen einer Steckdoseninstallation unterbringen. Außerdem zwingt eine separate LV-Position den Auftragnehmer dazu, Ressourcen für die Prüfphase einzuplanen. Dadurch verhindern Sie den gefährlichen Zustand, dass Anlagen unter Zeitdruck ohne vollständige Prüfung in Betrieb gehen.
Leistungsverzeichnis Elektro effizient erstellen — Praxistipps
Die manuelle LV-Erstellung in Tabellenkalkulationen oder Textverarbeitungen kostet Zeit und verursacht Fehler. Standardisierte Textbausteine vom ZVEH oder aus dem KFE-Datenkatalog im GAEB-Format beschleunigen dagegen den Prozess und stellen die Normkonformität sicher.
Die folgenden Praxistipps helfen Ihnen bei der effizienten LV-Erstellung:
- Checkliste nutzen: Prüfen Sie vor Abgabe, ob alle Titel abgedeckt sind — von der Demontage bis zur Erstprüfung. Fehlende Titel bedeuten fehlende Vergütung.
- Mengenermittlung standardisieren: Arbeiten Sie mit RAL-RG 678 als Basis für die Raumausstattung. So vermeiden Sie Unterdeckungen, die später zu Nachträgen führen.
- Besondere Leistungen explizit aufführen: Jede Kernbohrung, jedes Brandschott und jede Sonderkonstruktion muss als eigene Position erscheinen.
- Positionen eindeutig formulieren: Jede Position muss klären, ob Nebenarbeiten wie Schlitzfräsen oder Verputzen im Einheitspreis enthalten sind oder separat vergütet werden.
- Digital arbeiten: Softwaregestützte Angebotserstellung spart Zeit und reduziert Übertragungsfehler. TurboAngebot etwa generiert aus der visuellen Elektroplanung im Grundriss automatisch ein bepreistes Leistungsverzeichnis — inklusive Mengenermittlung und Positionstexten.
Wie Sie das Aufmaß für Elektroinstallationen systematisch und vollständig erstellen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.
Fazit
Zusammenfassend schützt ein sauber erstelltes Elektro-Leistungsverzeichnis alle Projektbeteiligten: den Bauherrn vor explodierenden Kosten, den Planer vor Regressen und das ausführende Unternehmen vor Haftungsrisiken. Die Grundlage bilden dabei die VOB/C DIN 18382, die RAL-RG 678 für die Mengenermittlung und eine solide Einheitspreiskalkulation mit den Daten aus dem KFE-Katalog. Wenn Sie diese drei Säulen beherrschen, erstellen Sie Leistungsverzeichnisse, die sowohl rechtssicher als auch wirtschaftlich sind.
Noch schneller geht es mit TurboAngebot: Die Software erstellt aus Ihrer visuellen Grundrissplanung automatisch ein professionelles Angebot mit allen relevanten Positionen — normgerecht, vollständig und in Minuten statt Stunden.